Ob du eine österreichische Spezialität essen oder trinken solltest, entscheidet meist ihre Konsistenz und der lokale Brauch: Suppen wie die Frittatensuppe werden gelöffelt, Sturm und Most getrunken, Kaiserschmarrn gegessen. Grenzfälle wie dickflüssiger Kakao oder Punsch lassen beides zu – wichtiger als die Regel ist der Genuss.
Essen oder trinken: Woran erkennst du den Unterschied?
Die einfachste Faustregel lautet: Was du mit Löffel oder Gabel zu dir nimmst, wird gegessen; was aus einem Glas oder einer Tasse fließt, wird getrunken. Entscheidend ist die Konsistenz, nicht der Kaloriengehalt.
In der Praxis ist die Grenze aber fließend. Eine österreichische Rindsuppe kannst du löffeln oder – aus der Tasse serviert – schlürfen. Der Brauch am Tisch wiegt oft schwerer als die reine Physik des Lebensmittels.
Ein Grenzfall ist ein Gericht oder Getränk, das sich sowohl essen als auch trinken lässt, etwa ein dickflüssiger heißer Kakao oder ein cremiger Punsch mit Fruchtstücken. Hier entscheidet die Servierform.
Welche österreichischen Spezialitäten sollte man essen?
Gegessen werden in Österreich alle festen und löffelbaren Speisen – von der Süßspeise bis zur Suppeneinlage. Die Klassiker landen auf Teller oder in tiefe Suppenschüsseln.
Kaiserschmarrn ist ein zerrupfter, karamellisierter Eierpfannkuchen, der mit Zwetschkenröster serviert und mit der Gabel gegessen wird. Tafelspitz, gekochtes Rindfleisch in Brühe, gehört zu den bekanntesten Wiener Fleischgerichten und war schon am Kaiserhof beliebt.
Auch die Sachertorte und der Apfelstrudel werden selbstverständlich gegessen – auch wenn du sie im Kaffeehaus mit einem flüssigen Begleiter kombinierst. Mehr zu diesen flüssigen Begleitern findest du in unserer Übersicht der Wiener Kaffeehaus-Klassiker.
Was trinkt man in Österreich typischerweise?
Getrunken werden in Österreich vor allem Kaffee, Wein, Most und regionale Limonaden. Jede Region hat dabei ihre eigenen Spezialitäten.
Der Sturm ist teilweise gegorener, junger Traubenmost, der im Herbst nur wenige Wochen erhältlich ist. Er wird ausschließlich getrunken, obwohl seine trübe Süße fast an eine Speise erinnert. Laut der Beschreibung auf Wikipedia liegt sein Alkoholgehalt meist zwischen 1 und 4 Volumenprozent.
Der Almdudler, eine Kräuterlimonade, wird seit 1957 produziert und gilt als eines der bekanntesten alkoholfreien Getränke des Landes. Beim Wein dominieren der Grüne Veltliner und der Zweigelt. Einen Überblick über Österreichs kulinarische Vielfalt bietet auch die Wikipedia-Seite zur österreichischen Küche.
Suppe essen oder trinken – was ist richtig?
Suppe wird in Österreich gegessen, also gelöffelt – das ist die höfliche Tischnorm. Nur klare Brühen aus einer Henkeltasse dürfen laut Etikette getrunken werden.
Die Frittatensuppe, eine klare Rindsuppe mit in Streifen geschnittenen Palatschinken, gehört klar zum Löffelgericht. Die Einlage macht das Trinken ohnehin unpraktisch.
Bei einer klaren Consommé ohne Einlage ist beides möglich. Wird sie in einer Tasse serviert, signalisiert das: Du darfst sie trinken. Kommt sie im tiefen Teller, greifst du zum Löffel.
Essen oder trinken bei Grenzfällen: eine Übersicht
Manche Klassiker lassen sich schwer einordnen. Die folgende Tabelle zeigt, was in Österreich üblicherweise gegessen und was getrunken wird.
| Spezialität | Essen oder trinken? | Serviert als |
|---|---|---|
| Kaiserschmarrn | Essen | Teller, mit Gabel |
| Frittatensuppe | Essen | Suppenteller, mit Löffel |
| Klare Rindsuppe (Tasse) | Trinken möglich | Henkeltasse |
| Sturm | Trinken | Glas |
| Almdudler | Trinken | Glas oder Flasche |
| Punsch mit Fruchtstücken | Grenzfall | Häferl, mit Löffel für die Stücke |
| Heiße Schokolade mit Schlagobers | Grenzfall | Tasse, oft mit Löffel |
Wo probierst du die Spezialitäten am besten?
Am authentischsten erlebst du die Frage essen oder trinken auf den Wiener und Salzburger Märkten sowie in den traditionellen Kaffeehäusern. Dort stehen feste und flüssige Genüsse direkt nebeneinander.
Auf den Adventmärkten fließen Punsch und Glühwein, während Bratäpfel und Maroni gegessen werden. Unsere Empfehlungen dazu findest du in der Übersicht der schönsten Weihnachtsmärkte in Österreich.
Wer sein Budget im Blick behalten will, kombiniert Marktbesuche mit günstigen Etappen. Praktische Hinweise dazu gibt unser Beitrag zum günstig geplanten Österreich-Urlaub.
Meine Erfahrung: Wann die Regel egal ist
Nach vielen Herbsten in der Steiermark und in Wien habe ich gelernt: Die Diskussion, ob man etwas essen oder trinken soll, entspannt sich vor Ort schnell. Ein Sturm im offenen Glas beim Heurigen wird getrunken, Punkt.
Beim Punsch mit Orangenscheiben greife ich am Adventmarkt aber ruhig zum kleinen Löffel für die Fruchtstücke. Niemand nimmt daran Anstoß. Die österreichische Genusskultur ist pragmatischer, als die strenge Etikette vermuten lässt.
Wichtiger als die Frage essen oder trinken ist, dass du regionale Spezialitäten frisch und zur richtigen Saison probierst. Sturm gibt es nur wenige Wochen im Jahr.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wird Suppe in Österreich gegessen oder getrunken?
Suppe wird in Österreich grundsätzlich gelöffelt, also gegessen. Nur eine klare Brühe ohne Einlage, die in einer Henkeltasse serviert wird, darf laut Tischetikette auch getrunken werden. Die Frittatensuppe mit ihren Palatschinkenstreifen ist ein reines Löffelgericht, weil die Einlage das Trinken unmöglich macht.
Ist Sturm ein Gericht zum Essen oder ein Getränk?
Sturm ist ein Getränk und wird ausschließlich getrunken. Es handelt sich um teilweise gegorenen, jungen Traubenmost mit einem Alkoholgehalt von meist 1 bis 4 Volumenprozent. Trotz seiner trüben, süßen Konsistenz kommt Sturm im Glas auf den Tisch und ist im österreichischen Herbst nur für wenige Wochen erhältlich.
Kann man Kaiserschmarrn trinken?
Nein, Kaiserschmarrn wird gegessen. Es ist ein zerrupfter, karamellisierter Eierpfannkuchen, den man mit der Gabel isst, meist begleitet von Zwetschkenröster oder Apfelmus. Als Getränk dazu passen ein Glas Wasser oder ein Kaffee aus dem Wiener Kaffeehaus.
Was tun bei Grenzfällen wie Punsch mit Fruchtstücken?
Bei Grenzfällen entscheidet die Servierform. Punsch mit Orangenscheiben oder eine heiße Schokolade mit Schlagobers werden getrunken, für die festen Stücke oder das Obers greifst du bei Bedarf zum kleinen Löffel. In Österreich ist diese Mischung aus essen oder trinken völlig üblich und gilt nicht als unhöflich.
Fazit: Genuss vor Regel
Die Frage essen oder trinken lässt sich in Österreich meist an der Konsistenz und der Servierform beantworten: Löffelbares und Festes wird gegessen, Flüssiges getrunken. Grenzfälle wie Punsch oder Kakao mit Schlagobers erlauben beides.
Am schönsten klärst du die Frage vor Ort – auf einem Markt, im Heurigen oder im Kaffeehaus. Plane deine kulinarische Reise durch Österreich und probiere die Spezialitäten zur richtigen Saison. Los geht’s!